Schuld ist die Technik… Das ist ja mal was Neues

Kaum ein Bereich hat sich in den letzten 15 Jahren so vehement revolutioniert wie die Tools zur Webentwicklung.  Eine Konstante ist jedoch geblieben: Das Jammern über die Technik. Sie ist zu kompliziert, zu teuer, zu langsam, zu unzuverlässig. Aus meiner Sicht liegt eine der Hauptursachen für ein solch unbefriedigendes Szenario in der Tatsache, dass viele Entscheider zu wenig über IT wissen und ihre Mitarbeiter mitunter in abstruse Situationen treiben. Dies ist meine persönliche  Best-of-Liste.

 Projektmanager Programmierer

Ein guter Programmierer muss nicht notwendigerweise ein guter Projektmanager sein. Für die Aufgaben, die in der Web-IT zu bewältigen sind, ist in jedem Fall ein starkes internes technisches Projektmanagement notwenig. Der technische Projektmanager muss in der Lage sein, verschiedene Lösungen bei der Applikationsentwicklung sicher einschätzen zu können. Er muss Vorgehensweisen analysieren, bewerten und empfehlen können. Dabei sollte er zwischen konkurrierenden Vorgehensweisen sachlich abwägen und sich weniger von Sympathien leiten lassen (Linux vs. Microsoft beispielsweise).

„Das kann doch die IT-Abteilung mitmachen“

Die bereits vorhandene IT-Abteilung eines Hauses ist nicht notwendigerweise für die Aufgaben der Webtechnik aufgestellt. Systemadministration der Produktiv-IT und Helpdesk-Aufgaben unterscheiden sich grundlegend von den Aufgaben eines Webapplikationsprogrammierers, dessen Aufgaben sich wiederum von denen eines Webmasters unterscheiden.

„Dafür haben wir doch den jungen Volontär“

Nur ein kompetenter, fundiert ausgebildeter technischer Projektmanager/Webmaster kann extern auszuführende Aufgaben sicher verteilen und über die richtigen Dienstleister und externen Partner entscheiden. Die Gefahr, große Summen aufgrund inkompetenten Projektmanagements zu versenken, ist sehr hoch.

„Das war jetzt richtig teuer und es muss schon wieder was Neues her?“

Alle zu entwickelnden oder einzukaufenden Systeme sollten dem Konzept der Skalierbarkeit folgen. Ein System mit einem umfassenden Funktionsumfang ist unter Umständen zu teuer, wenn man noch nicht alle Features benötigt. Ein System sollte so strukturiert sein, dass man ihn modulartig an die eigenen Bedürfnisse anpassen kann.

„Felix ist der Einzige, der das noch versteht“

Im eigenen Auftrag entwickelte Systeme sollten transparent im Design und im Detail sein. Dazu ist es notwendig, klar definierten Regeln zu folgen, die von einem kompetenten technischen Projektmanager festgelegt werden, bevor das Projekt startet, und deren Einhaltung sollte immer wieder überprüft werden. Das betrifft zum Beispiel Fragen der Kommentierung, der Dokumentation, des grundsätzlichen Aufbaus und der Modularität einer Anwendung.

„Wir können die Programmierer nicht wechseln, sonst müssen wir zahlen“

Der Source-Code eigener, in Auftrag gegebener Entwicklungen gehört immer dem Auftraggeber. Dies sollte unmissverständlich vereinbart werden. Andernfalls wird der Einsatz einer Applikation über eine Lizenzvereinbarung geregelt.

„Das  Redaktionssystem ist gerade 4 Jahre alt, wieso kann es das nicht!?“

Ein System ist nicht für die Ewigkeit programmiert. Gerade aufgrund rasanter Generationswechsel in der Webtechnik kann es mitunter sinnvoller sein, ein System von Grund auf neu zu konzipieren, als sich mit vererbtem Code zu plagen und mit seinen Webangeboten nicht mehr State-of-the-art zu agieren. Unter den Bedingungen veralteter Systeme vermeidet man vielleicht kurzfristig Kosten, langfristig zahlt es sich jedoch nicht aus, nicht in technische Neuerungen zu investieren, weil man bei der Produktentwicklung selbst stagniert und statt dessen nur „Löcher stopft“.

„Die Software haben wir doch bezahlt, wieso soll das jetzt doppelt kosten?“

Lösungen sollten immer auf offenen Standards basieren. Fertige Out-of-the-box-Lösungen täuschen mit ihrem Charme der sofortigen Einsetzbarkeit schnell darüber hinweg, dass man sich bei individuellen Anpassungen in Abhängigkeit von einem Dienstleister bewegt.

„Ein Schnäppchen!“

Attraktive Preise für Software-Lizenzen haben mitunter den Nachteil, dass Tagessätze für die Programmierer, die dann letztlich die individuellen Applikationen kreieren, exorbitant höher sein können, als bei einem Produkt, dessen Erstanschaffungskosten höher sind.

Coole Idee, aber kennt sich noch jemand damit aus?

Bei der Entscheidung für Open Source-Produkte ist es von Vorteil, auf Lösungen zu gehen, die sich bereits in einem breiten Einsatz befinden und die bereits von einer starken Experten-Community mit Code-Bibliotheken und Detail-Entwicklungen ausgestattet ist.

„Abgeschrieben auf 3 Jahre – das können wir uns doch leisten!“

Nur soviel zur Erinnerung: Abschreibungszeiträume für Hardware und Applikationen sollten sorgfältig und vorausschauend geplant werden.

„Schuld sind immer die Externen“

Eine Mischung externer und interner Mitarbeiter kommt den Anforderungen eines Unternehmens bei der wechselhaften Projektarbeit am besten entgegen. Es sollte sorgfältig auf ein gutes Arbeitsklima zwischen internen und externen Kollegen geachtet werden. Loyalität ist eben nicht nur eine Frage des Stundensatzes, sondern auch der persönlichen Bindung externer Kollegen an das Unternehmen.

„CeBit ist dieses Jahr gestrichen!“

Fortbildung und Inspiration der internen Mitarbeiter bei externen Veranstaltungen ist ein wichtiger Schlüssel, wenn man mit den Entwicklungen im Online-Markt Schritt halten will.

„Ein so junger und begabter Mensch – verstehst Du, was er da erzählt?“

Die technische Infrastruktur stellt für ein erfolgreiches Online-Business die höchste Investitionsanforderung dar. Sie muss von kompetenten, kostenbewussten und sehr gut informierten Verantwortlichen gesteuert werden.

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