SXSW Interactive 2011 – 1. Tag: Tim O’Reilly und Marissa Mayer: Innovation & Business

“Innovation happens when people are having fun” – mit diesem Satz formulierte Tim O’Reilly am ersten Tag der SXSW Interactive in Austin quasi den Spirit der jährlich populärer werdenden Konferenz, die bereits vor über 10 Jahren als Multimedia-Konferenz als Anhängsel des SXSW Music-& Film Festivals ihre Anfänge hatte. Innovation ist vorerst Sache der Inspiration und visionärer Ideen – so der Kontext, in dem O’Reilly formulierte, und er legte nach: „Google lost its way by caring too much for the business vs. the users“. Damit gab er quasi die Bühne frei für Googles Marissa Mayer. Ihr Thema: Location, Location, Location!
Marissa Mayers (Vice President Consumer Products) Präsentation  drehte sich im Wesentlichen um die Zukunft der Suche, die sich aus der Kombination aus Kontext, Location und Daten entwickelt, dazu ein paar Fakten:  Google-Maps hat 150 Millionen User, von denen 40% Maps auf Mobilgeräten nutzen. 20‘% aller Suchvorgänge sind lokal. Eine mehr als gute Grundlage, um die Services rund um die lokale Suche zu optimieren. So beeindruckte eine kurze Demo der Google Maps Version 5.3 für Android durch Geschwindigkeit und 3D-Ansichten, die zwar keine Fotos der Umgebung beinhalten, aber die Gebäudeumrisse  darstellen. Der Geschwindigkeitsvorteil ergibt sich aus der Vektorisierung der Kartendarstellungen. Damit löst man sich von der bekannten Kachelung und kann zügig über Gesten Kartenausschnitte ein- und auszoomen. Sehr schick.
Auch die Erweiterungen der Navigations-Features sind vielversprechend: Standardmäßig sollen drei alternativen Routen angezeigt werden. Der Clou: Es wird auch die aktuelle Verkehrsauslastung der jeweiligen Route dargestellt (ich denke gerade daran, wie häufig mich mein Navi schon im Stich gelassen hat – aber lassen wir das…).
Das bekannte Google Places befindet sich derzeit noch mit der Erweiterung Hotpot in der Experimentierphase. Hotpot erlaubt persönliche Bewertungen und Kommentare zu Restaurants, Geschäften oder sonstigen lokalen Unternehmen. Sharing-Features ermöglichen den Zugriff auf Empfehlungen von Freunden. Konkurrenz also für Unternehmen wie Qype und Yelp. Aktuell sind über 6 Millionen Unternehmen auf Google-Maps vertreten. Das Angebot namens Google-Boost, das kleinen und mittleren lokal operierenden Unternehmen bestimmte Werbemöglichkeiten in Google-Places bietet, wird derzeit in verschiedenen amerikanischen Städten getestet.
Weiter mit den Visionen: Augmented Reality definiert Google in Projekten wie dem Google Arts Project neu.  Kunst wird in dieser Form der Digitalisierung neu erfahrbar – 7-Milliarden-Pixel-Bilder vermitteln ungekannte Datailtiefe. Ein weiteres Projekt in dieser Art ist mit dem Kew Gardens in London (einem Botanischen Garten) in Arbeit.
Aber zurück zu den Buzzwords. Contextual Discovery meint gemäß Marissa Mayer die Verfeinerung der Suchergebnisse durch die Kombination generischer Suchbegriffe mit Lokal- und Zeitangaben. Diese Kontextualität ist meiner Erfahrung nach sicherlich nützlich, mitunter führt sie aber auch dazu, dass leider relativ irrelevante Sucherergebnisse on top stehen, weil die Bedeutung des Kontextes bei der Suche zu hoch gewichtet wird.

Timing und Innovation
Die Innovationen, die Google derzeit realisiert, basieren auf Ideen, die bereits in den späten  90er Jahren entstanden sind. Nur stimmte  damals das Timing noch nicht. Seitdem haben sich Konnektivität, Mobilität, Infrastruktur und Verbreitung entwickelt. Tim O’Reilly kann ich aus vollem Herzen zustimmen, wenn er die Idee als Treiber für Innovation betont. Aber – und das ist Googles Kunst – das Timing muss stimmen, damit Kunden und User Innovation verstehen und annehmen können – sonst bleibt es bei guten Ideen, die niemanden interessieren.