SXSW 2011: Verkäufer oder Reporter? Unternehmen als Publisher

Man setze einen „traditionellen Journalisten“ (Tom Ashbrook) mit ein paar Marketingleuten diverser Unternehmen zusammen und lasse sie über das Spannungsverhältnis zwischen Journalismus, Corporate Press und Social Media diskutieren. Zündstoff garantiert. Ergebnisse kaum.

Beliebtes Stichwort: Glaubwürdigkeit. Journalisten sind mit diesem ehrenwerten Argument ja sehr schnell bei der Sache. Nun, Glaubwürdigkeit ist nicht unbedingt die Frage bei Inhalten wie beispielsweise Tipps für Hygiene im Haushalt, handelt es sich doch um Nutzinformationen, nicht um journalistische Höhenflüge. Ebenso pragmatisch kann man das Thema Kontrolle betrachten. Wieder einmal wurde der Ruf nach Social Media Policing laut – einer Art Kodex für die Erstellung von Inhalten im sozialen Netz. Auch dieser Punkt geriet schnell wieder von der Tagesordnung – einfaches Argument: Die User seien durchaus in der Lage, Lügen und Manipulationen zu entlarven, sehr viel eher noch, als dies unter dem Deckmäntelchen respektierter Medienmarken der Fall wäre.
Wie so häufig führte auch diese Diskussion über die Gefahren von „Branded Media“ und der Relevanz des „traditionellen Journalismus’“ nicht so recht auf den Punkt. Welche Rollen spielen Medienmarken in einer Zeit, in der immer mehr Unternehmen ihre eigenen Info-Kanäle und Communities erschließen und ein guter, wachsender Anteil der Marketingbudgets in Content-Projekte statt in Anzeigen fließt? Das Geschäftsmodell „unabhängiger Journalismus“ ist gefährdet – keine Frage. Und das nicht erst seit gestern. Lange schon lassen sich viele Journalisten von der Industrie – meist unfreiwillig – kompromittieren und nehmen es mit dem Gefälligkeitsjournalismus nicht mehr so genau – und dies so offensichtlich, dass es auch weniger kritisch eingestellten Leser ohne weiteres ins Auge fällt.
Medienmarken, die sich von Branded Media abheben wollen, müssen wieder hart an sich arbeiten. Exzellente Journalisten sind ebenso gefordert wie mutige Verleger.

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