Klarseher und Media-Eminenz Barry Diller im Interview auf der SXSW

Ein Mann, der auf den Punkt kommt: Barry Diller ist eine graue Eminenz hinter den Medien-Kulissen. Aktuell agiert er als Expedia-Vorstandsvorsitzender. Bis Dezember war er CEO von IAC, einem Unternehmen, das über 50 Internet-Unternehmen beherbergt, darunter Match. com, Citysearch, The Daily Beast, Vimeo, Ask.com. Vor der Gründung IAC war er tätig für ABC Entertainment, Fox. Inc, QVC, Paramount Pictures Corporation, zu deren Gruppe wiederum Unternehmen wie Simon & Schuster und SEGA Enterprises gehörten. Keine Frage, Barry Diller hat in den letzten 20 Jahren diverse Transformationen in der gesamten Medienlandschaft mitgeprägt.

Am Beginn einer neuen Bubble?

Entsprechend abgeklärt gibt er sich bei der Frage, ob die aktuelle Aufbruchsstimmung in der Dot-com-Szene eine neue Bubble befürchten lasse: Das Besondere an den aktuellen Entwicklungen, die Diller keineswegs als Aufbruch in eine neue Bubble interpretiert, sei, dass JEDER mit relativ wenig Aufwand mit innovativen Ideen Unternehmungen starten könne. Das sei die Hauptsache. Der Weg, den das Geld geht, sei nebensächlich. „Normalerweise wird Geld von Leuten versenkt, die es sich leisten können – was soll’s.“ Die Unternehmenswerte von Dot-Coms seien derzeit völlig überhitzt. Relevant seien Ideen, die Substanz haben. Es gehe nicht nur darum, möglichst viele User aufzutreiben.

Das Schicksal traditioneller Medien?

Für das Modell des wöchentlichen Nachrichtenmagazins wird es nach Meinung Dillers eng, wenn es nicht bereits schon ausgedient hat. Im November 2010 ist die traditionsreiche Wochenzeitschrift Newsweek von Daily Beast (Online-Newsdienst) akquiriert worden, das zur IAC-Gruppe gehört. Diller sieht in der Verbindung der beiden Medienmarken ein Experiment, dessen Ausgang noch offen ist; jedoch ist er überzeugt: „Print kann nur überleben, wenn Online-Strukturen von Print adaptiert werden“.

iPad-Apps als Rettung traditioneller Mediengeschäftsmodelle?

Barry Diller outete sich zwar als großer iPad-Fan, lässt sich aber davon in der Frage nach der Zukunft nicht blenden: „Warum sollte man eigene Lösungen für bestimmte Geräte entwickeln. In der Welt von heute macht das keinen Sinn. Geschlossene Systeme zahlen sich nicht aus.“ Alle Innovationen der letzten Jahre zeigten, dass sich irgendwann gemeinsame Standards entwickelten.

Netzneutralität

Mit dem fadenscheinigen Argument der Zusatzaufwendungen für Infrastruktur stößt man bei Barry Diller auf Granit: „Wir brauchen eine ganz klare Regelung: Niemand wird zwischen den Publisher und den Consumer treten. Ende der Ansage.“

Dillers Empfehlungen für Start-ups
  • Besorgt Euch genug Geld, um die Idee an den Start zu bringen, und investiert so viel wie möglich darin.
  • Lasst Euch nicht reinreden oder von Banken, Anwälten etc. verunsichern.
  • Hört auf Eure Kunden.
  • Bleibt fokussiert.
  • Entwickelt frühzeitig Langzeitperspektiven.
Was hat Barry Diller auf der SXSW gelernt?

„Niemand dominiert hier“.

Das Interview führte P. Harlow (CNN).

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