People, Planet, Profit – 20 Prognosen zum Arbeitsplatz 2020

Soziale Medien sind mehr als eine Reihe neuer Technologien. Sie bringen eine kulturelle Revolution, die den Arbeitsplatz der Zukunft essentiell prägen wird. Corporate-Learning-Profis Jeanne C. Meister und Karie Willyerd entwerfen in ihrem Buch „The 2020 Workplace“ eine Vision der neuen Bedingungen, unter denen Unternehmen in der nahen Zukunft ihre Attraktivität für Bewerber und Mitarbeiter entwickeln müssen.

Diese Zukunft ist von einer Reihe von weltweiten Trends geprägt, die bereits tiefgreifende Veränderungen in der Gegenwart bewirken. So repräsentieren soziale Medien nicht nur technische Plattformen, sondern schaffen neue soziale Interaktionsformen, die sowohl den persönlichen als auch den beruflichen und darüber hinaus reichenden öffentlichen Bereich des Individuums prägen. Mit der Generation der so genannten Millennials (der zwischen 1977 und 1997 Geborenen) tritt eine Generation von „hyperconnected workers“ ins Arbeitsleben, die neue Anforderungen an Arbeitgeber, Teams und Prozesse stellt. Wenn man nachrechnet: ja, sie sind bereits vor Ort und Unternehmen stellen sich bereits auf tiefgreifende Veränderungen ein, wie viele Fallbeispiele unter anderem von Deloitte, Cisco, Nokia, die in diesem Buch vorgestellt werden, zeigen.

Die Annahmen, unter denen diese Unternehmen agieren, fassen die Autorinnen in 20 Thesen zum Arbeitsplatz 2020 zusammen:

  1. Einstellungen und Beförderungen orientieren sich am Reputationskapital: Die Top-Währung des 2020-Arbeitsplatzes ist die Ich-Marke.
  2. Das Mobilgerät wird das Büro, das Klassenzimmer, der Assistent in allen Lebenslagen.
  3. Der globale Talentemangel wird akut sein.
  4. Recruiting beginnt auf Social Networking-Sites: mit Interviews per Video-Chat beispielsweise
  5. Web-Communities werden Unternehmen zwingen, Arbeitsweisen neu zu erfinden, unter anderem die Arbeit außerhalb des Unternehms an unterschiedlichen Orten (third-place-working)
  6. Unternehmen werden ganze Teams anheuern, die perfekt aufeinander eingestellt Projekte effzient umsetzen können.
  7. Das Job-Profil für CEOs wird Bloggen umfassen.
  8. Unternehmensfortbildungen werden Videospiele, Simulationen und Reality-Games anbieten: Trainings werden transformiert in „social fun, and highly collaborative experience“.
  9. Ein neues Denken für eine vernetzte Welt entwickelt sich: Die 2020-Mitarbeiter werden mit den aktuellsten Möglichkeiten, die soziale Medien bieten, kommunizieren, sich vernetzen und miteinander arbeiten. Sie arbeiten in virtuellen Teams und kontaktieren Peers, um Probleme zu lösen. Das neue Denken umfasst:
    – Soziale Partizipation
    – Globales Denken
    – Immerwährendes Lernen
    – „Thinking big, acting fast“ und „constantly improving“
    – Cross-cultural Power
  10. Der HR-Fokus wird sich von Outsourcing Richtung Crowdsourcing verschieben: Administrative HR- Funktionen werden outgesourced, während Innovations-Management & Crowdsourcing auf die Agenda interner HR-Manager kommt.
  11. Soziale Unternehmensnetzwerke werden sich verbreiten: Das Wesen der Wissensarbeit ist Konversation.
  12. Mitarbeiter werden ihre Teamleader wählen: Das ist Ausdruck eines kollaborativen Mind-sets.
  13. Lebenslanges Lernen ist überlebenswichtig für Unternehmen.
  14. Die Work-Life-Flexibilität wird die Work-Life-Balance ersetzen: Übergänge zwischen Arbeit und Privatsphäre verwischen.
  15. Unternehmen werden ihre Social-Responsibility-Initiativen öffentlich machen, um sich für Mitarbeiter in einem attraktiven Licht zu positionieren, nach dem Motto: People, Planet, Profit.
  16. Diversität wird ein Überlebensfaktor für Unternehmen: Frauen, Ältere und Ausländer werden verstärkt als Mitarbeiter akquiriert werden müssen (Stichwort: demografischer Wandel).
  17. Die Abgrenzung zwischen Marketingabteilungen und Schulungsabteilungen wird verschwimmen: Konsumentenaufklärung wird ein Mittel zur Kundenbindung.
  18. Corporate App Stores werden Tools bieten, mit denen man Arbeit und Privatleben besser organisieren kann.
  19. Sicherer Umgang mit sozialen Medien wird für alle Mitarbeiter eine Grundanforderung sein.
  20. Ein Portfolio aus mehreren befristeten Tätigkeiten wird die Voraussetzung werden für eine permanente Vollzeitanstellung.

Dass man für solche Szenarien nicht auf das Jahr 2020 warten muss, erfahre ich immer wieder in Gesprächen mit jungen Verlagsprofessionals oder Trainees, die sich darüber beklagen, dass technische Infrastrukturen im Verlagshaus Unmengen von Hürden und Rückständigkeiten aufweisen  – ganz zu schweigen davon, dass der Umgang mit mobilen Endgeräten, sozialen Medien oder kollaborativen Arbeitsformen inadäquat sei. Kommunikation und Entscheidungen bleiben in Abteilungssilos stecken und sind mitunter gar intransparent. Dies ist nur der Anfang einer Liste von Beschwerden, die immer wieder aufkochen.

Die Verlagsbranche ist noch immer attraktiv für junge Bewerber – Marken, Namen, Publikationen ziehen Fans und Idealisten an – Menschen, die bereit sind, sich in einem hohen Maß mit dem Unternehmen zu identifizieren und sich zu engagieren. Wollen Unternehmen diesen Idealismus nicht enttäuschen, müssen HR und Management ihre Aufmerksamkeit auf den kulturellen Wandel in der Arbeitswelt richten.

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