Tools und Basis-Know-how zur Geschäftsmodell-Entwicklung: „Business Model Generation“ – eine Buchempfehlung

„Ich will endlich funktionierende Geschäftsmodelle kennenlernen!“ Diesen Satz höre ich in fast jedem Seminar, bei jedem Kongress und sonstigen Zusammenkünften von Verlagsmitarbeitern – seit Jahren.

Ich bin immer wieder erstaunt, mit welcher Leichtigkeit einerseits dieser Begriff Geschäftsmodell verwendet wird, und wie häufig andererseits im Verlagsgeschäft Ansätze und Ideen versanden oder gegen die Wand gefahren werden. Was mit Geschäftsmodell gemeint ist, bleibt oft im Nebel. Selten kommt eine holistische Sicht auf das Spektrum der Anforderungen an solche Modelle zum Vorschein. In der Regel soll es einfach um gute Beispiele aus anderen Verlagen gehen. Gute Beispiele gibt es ja nun viele, aber was heißt das schon? Was in dem einen Haus als Erfolg gewertet wird, kann in einem anderen Unternehmen schnell abgehakt sein. Und so ist man nach einer Revue guter Beispiele vielleicht inspiriert, ein Geschäftsmodell jedoch verlangt mehr als gute Produktideen.

„Business Model Generation“ ist der Titel eines Buches, das ich allen vielbeschäftigten Kollegen empfehlen kann, die sich über die Innovation in ihrem Unternehmen Gedanken machen. Kern der Innovation ist die Modifikation oder Neuerfindung bestehender Geschäftsmodelle. Die – immerhin 450 Coautoren – gehen knapp, aber ausreichend, auf die neun Grundelemente eines Business-Models ein und fügen diese in einer Art Matrix, die sie Canvas (dt.: Leinwand) nennen, zusammen. Diese Business Model Canvas ist das zentrale, sehr einfach zu handhabende Tool, mit dem bestehende und zukünftige Geschäftsmodelle hinterfragt und entwickelt werden können. Dazu stellen die Autoren das wichtigste theoretische und praktische Rüstzeug bereit: Beispiele, die verschiedene Arten und Bedingungen von Geschäftsmodellen illustrieren, sowie Methoden, mit denen im Team-Workshop Ideen und Zusammenhänge erschlossen und bewertet werden können. Die besonderen Leistungen des Buches liegen in der Verdichtung und gekonnten Visualisierung der Informationen, die allesamt hohen Praxisbezug aufweisen.

Als Leser stellt man schnell fest, dass die Haken und Stolpersteine zur erfolgreichen Transition von traditionellen zu neuen Geschäftsmodellen bereits in der Vorarbeit stecken: beispielsweise weil man sich zu früh in scheinbar überzeugende Modelle verliebt hat, statt im Workshop Widerspruch zu provozieren. Diese Punkte werden knapp und treffend formuliert. Jeder, dem schon einmal eine neue Produkt- oder Geschäftsidee gefloppt ist, wird sich hier wiederfinden.

Weitere Techniken neben der Business Model Canvas umfassen die Empathy Map von XPLANE, Ideation (in Verbindung mit Brainstorming), Visual Thinking, Story-Telling, Scenarios, Prototyping zur Entwicklung und Präsentation von Geschäftsmodell-Entwürfen sowie SWOT und Four Action Framework zum Bewerten entwickelter Modelle.

Bestehende und neue Geschäftsmodelle harmonieren nicht unbedingt miteinander innerhalb derselben Organisation. Oder die IT-Infrastruktur muss gegebenenfalls dem neuen Geschäftsmodell angepasst werden. Auch bei solchen Fragestellen, die während der Implementation und für den Erfolg von Innovationen relevant sind, unterstützt die Business Model Canvas ganz praktisch die Suche nach Antworten.

„Business Model Generation“ lässt sich schnell und aufgrund seiner ausgezeichneten und intelligenten durchgehend vierfarbigen visuellen Aufbereitung sehr einfach lesen – sofern man keine Schwierigkeiten mit der englischen Sprache hat. Ein besonderes Fachbuch, das ich sehr empfehlen kann.

Update: Das Buch ist inzwischen in deutscher Sprache bei Campus erschienen und erhielt das Label „Management-Buch des Jahres“. Hier ist der Link zur Leseprobe.

Die Business Model Canvas gibt es zum freien Download (Original)

Die Business Model Canvas in deutsch übersetzter Version von Faltings Business Development

Weitere Links zum Thema

Wikipedia-Eintrag der Business Model Canvas

Homepage des Buches

Twitter: #bmgen

Business Model Generation: A Handbook for Visionaries, Game Changers, and Challengers

Alexander Osterwalder, Yves Pigneur

John Wiley and Sons, 2010 – 288 Seiten

Preis: 28,- Euro

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