„Das Geschäftsmodell für Social Media“ existiert nicht

Nachdem mir vor kurzen wieder einmal die Frage nach dem Geschäftsmodell für Social Media in Fachverlagen gestellt worden ist, hier eine knappe Antwort: Nein, Social Media an sich hat kein Geschäftsmodell.
Genausowenig wie Marketing oder PR. Oder das Beantworten von Leserbriefen. Im Verlag hat das Engagement im Wesentlichen drei Funktionen:

  1. Es erfüllt die Erwartung von Lesern und Usern nach Interaktion mit der Medienmarke = Leserbindung. Diese Erwartung ist im Prinzip vorhanden, ob mit oder ohne eigenes Zutun.
  2. Präsenz in sozialen Medien entwickelt Reichweite und Markenbekanntheit.
  3. Engagement in sozialen Medien eröffnet Journalisten neue Horizonte in der Themen- und Quellenrecherche sowie bei der kollaborativen Weiterentwicklung von Themen.

Inwieweit das Engagement in sozialen Medien den aktuellen Geschäftsmodellen nützt und zu ihren Erfolgen beiträgt, hängt davon ab, wie zielgerichtet Social Media-Aktivitäten betrieben werden. Zielorientierung sollte nicht vom Experimentieren abhalten. Experimente sind wichtig, um Neues auf den Weg zu bringen. Das Stadium des reinen Experimentierens sollte irgendwann reifen zu einer Social Media-Strategie. Dazu ist es notwendig, Resultate auszuwerten und Schlüsse für modifizierte Vorgehensweisen zu entwickeln. Wenn dies gelingt, spielen soziale Medien eine wichtige Rolle für die bestehenden und zukünftigen Geschäftsmodelle von Fachverlagen.
Aber auch diese letzte These wird häufig in Frage gestellt mit Argumenten wie: „Unsere Leser nutzen soziale Medien nicht für die berufliche Fachinformation“. Nun, früher gab es auch kein Pesto an der Tanke. Heute leben Tankstellen von ihren Shops – wie ich erst kürzlich der Presse entnahm. Warum? Weil man mit Angeboten am besten dorthin geht, wo die Käufer ohnehin bereits sind. Und was die Tanke fürs Pesto ist Facebook für den Maschinenbau. Ist doch ganz einfach. So hat das Internet schon immer funktioniert: Die User suchen kaum nach Medienmarken sondern per Suchanfrage. Social Media-User folgen nicht nur ihren Freunden, sondern auch interessanten Menschen – egal, ob es um private oder berufliche Interessen geht. Wird ein Angebot dort platziert, wo ohnehin die Nutzer sind – also in Suchergebnisseiten oder in sozialen Netzwerken -, wird es angenommen. Wichtige Voraussetzung: Das Angebot muss ins Regal passen. Das nennt man dann Strategie.

Ein Gedanke zu „„Das Geschäftsmodell für Social Media“ existiert nicht

  1. sebiturbo

    Das ist alles richtig. Problem sind nur die, die in der Vergangenheit leben und ohne Sinn und Verstand ihre archaischen Geschäftsmodelle im Social Media durchsetzen wollen. Social Media ist ein Strang neuer digitaler Kommunikationsformen. Das Poesie-Album digitalisiert ist Facebook. Der personal Blog ist die Digitalisierung von Speaker’s Corner. Die Idee der digitalen Kleinanzeige bzw. Kurzmeldung wird durch Twitter aufgeladen. Jetzt müssen wir lernen damit um zu gehen. Einige haben längst begriffen, wie die Geschäftsmodelle in dieser Phase der screenbased Kommunikation funktionieren. das sind nicht nur die Amazons, die ebays, die Facebooks, Googles etc. sondern viele Shops, Nischenanbieter, Plattform-Anbieter etc. mit ihren Apps. Hier kommt meist eine einfache Mechanik zum tragen. 1. Stufe ist kostenlos, Profilevel kostet. Man kann erstmal in Ruhe die App ausprobieren und dann, wenns gefällt und wenn man vertraut, die nächste Stufe zünden. Dafür zahle ich gern. So, liebe Verleger … und Analogisten funktionierts…

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