SXSW 2013 – Short-Picks zum Thema Storytelling auf dem Tablet

Nachrichten waren gestern, heute bedeutet Nachrichten machen Storytelling mit allen Medien für diverse Nutzer-Präferenzen. Newspaper-Designer Mario Garcia unterscheidet hierbei zwischen Lean-Back- und Lean-Forward-Medien. Lean-Back-Medien stellen andere Anforderungen an die mediale Umsetzung einer Story als Lean-Forward-Medien. Tablets – so zeigen Untersuchungen, werden – wie auch die Zeitung – in Entspannungssituationen (Lean-Back) genutzt, während Smartphones und Websites dem gezielten Auffinden von Informationen dienen (Lean-Forward).

Diese Unterscheidung ist wesentlich für das Design von Benutzeroberflächen für Tablet-Apps. Als herausragendes Beispiel nannte Garcia die Bild-App. Die App arbeitet mit visuellen Eyecatchern, großen Bildaufmachern, die wiederum in Popups zusätzliche Text-, Audio- oder Bildinformation anbieten.

Das Foto als Einstiegspunkt stellt Garcia als Must immer wieder in den Vordergrund. Eine App, die visuell an das Printmedium angelehnt ist, mag zwar die visuelle Konsistenz der Marke transportieren, widerspricht jedoch allen Erkenntnissen aus Untersuchungen über die Nutzung verschiedener User-Interface-Konzepte. Manche Verleger argumentieren – so Garcia – dass man ja doch die Print-Leser nicht mit einem von Print völlig abweichenden Design verschrecken dürfe.

Mich wundert diese Haltung auch nicht besonders; sie ist meiner Meinung nach allerdings an den Haaren herbeigezogen. Brand-Konsistenz ist nicht gleichzusetzen mit der Maxime, dass alles gleich ausschauen muss, was von dieser Marke an Produkten hervorgebracht wird. Auf diese Weise hätten sich Automarken beispielsweise kaum weiterentwickeln können. Ich kann nur aus meiner eigenen Erfahrung sagen: Ein Medienprodukt muss letztlich in dem Kanal, in dem es funktionieren soll, den Erwartungen der jeweiligen User genügen, sie zur Nutzung motivieren und nicht mit Disfunktionalität frustrieren. Zurück zu Garcia mit einigen kurzen Statements aus seiner Präsentation:

  • 2-3 Navigatoren (Navigationsbuttons) genügen in Tablet-Apps, nicht 6-7 wie bisher in Websites typischer Weise (ich meine, wenn man Glück hat, sind es nur 6-7 – manche Websites feiern ja fast Navigationsorigien)
  • Lean-Back-Zeit ist abends. Tablet-User konsumieren News eher abends
  • Mit dem Tablet werden mehr Sites besucht – mit dem Tablet verbringt man seine freie Zeit
  • Tablets bringen mehr Traffic auf Websites als Smartphones

Die Firma Poynter (Weiterbildung für Journalisten) hat eine Studie hierzu durchgeführt und auf der SXSW 2013 präsentiert. Hier die wichtigsten Erkenntnisse:

  • Grundsätzlich wurden 3 Design-Konzepte getestet: Karussell (gleichgroße Kacheln mit Fotos als Einstiegspunkte wie bei der Tagesanzeiger-App), Tile (größenmäßig gewichtete Fotokacheln) und traditionelles Design mit Textspalten und Bild.
  • Eyetracking zeigt: das Auge geht zuerst auf Fotos, nicht auf das Editorial
  • Die meisten Leute nutzen das Tablet lieber im Querformat.
  • Leute bevorzugen Karussell-Design (Traditional 35%, Tile 15%, Karussell 50%).
  • Traditional: 18 Fixierungen, bis eine Entscheidung gefällt wird, was gelesen werden soll.
  • 67% nutzen native Controls, wie den Back-Button, um zur zweiten Story zu gelangen.
  • Thumbnail-Bilder in Galerien werden kaum genutzt, sondern meist direkt die Navigationspfeile rechts und links.
  • Ca. 50 % der User lesen methodisch, 50% scannen. Hier gibt es eine direkte Relation zum Alter: Methodisch: 76% 45-55 Jahre, Scanners 75% 18-28 Jahre.
  • Die Scanner lesen etwas länger als die methodisch Lesenden.
  • 61% haben den Screen regelmäßig berührt, um Text stärker ins Blickfeld zu rücken.
  • 80-90 Sekunden: Bail out point = der Zeitpunkt, ab dem ein Ausstieg aus der Story stattfindet, wenn diese nicht interessant genug ist.

Die Studie kann von Poynter angefordert werden: squinn@poynter.org (Sara Quinn)

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