SXSW 2013 – Kuscheln war gestern

Die SXSW Interactive ist ja nun auch schon 19 Jahre alt  und inzwischen schon mit ihren über 25.000 Teilnehmern auch ordentlich gewachsen. Mit ihren drei Konferenzen – Music, Film und Interactive mit insgesamt über 60.000 Teilnehmern – befindet sich Austin ca.2 Wochen lang im Ausnahmezustand. Bis vor ein paar Jahren war das ganz angenehm. Nun frage ich mich allmählich, ob ich altersbedingt schwächle oder ob der Charme der Interactive tatsächlich verblasst angesichts des Massenansturms.

Dieser Gedanke kam mir bereits bei der Hotelbuchung. Die Übernachtungspreise haben sich von $250 auf $ 400 hochgeschraubt. Nichts Neues bei solchen Events. Dafür ist die Konferenz selbst verhältnismäßig günstig mit $ 600 bei frühzeitiger Buchung. Und Auto kann man sich eigentlich auch sparen – wie ich inzwischen herausgefunden habe. Nächstes Mal werde ich wohl ein Fahrrad mieten oder CarToGo ausprobieren, denn für Elektroautos hat es immer freie Parkplätze (bei der Gelegenheit: Park-Leit-System… ich liebe dieses extrem deutsche Wort, das einen ordentlichen Parkplatz verspricht. In Austin baut man neuerdings stattdessen Partyzelte auf die wenigen Parkplätze).

Das Konferenzprogramm präsentiert sich wieder umfassend – sehr, sehr, sehr umfassend mit vielen thematischen Überschneidungen der Angebote, die aber angesichts der Teilnehmerzahl eine gute Lösung darstellen. Während ich früher mit der inkonsistenten Qualität des Programms prima leben konnte, wird sie nun ein Problem, denn die wirklichen interessanten Events sind hoffnungslos überlaufen. Ein Tag SXSW kann sich durchaus so gestalten, dass man einen 1/3 Tag einen Parkplatz sucht, 1/3 Schlange steht, um in die Veranstaltungsräume zu gelangen, und dann mit viel Glück in ein oder 2 interessanten Panels landet. Hat man allerdings Pech, wird man kurz vor der Tür abgewiesen oder das Panel stellt sich als Panne heraus. Zum Glück gibt es ja Livestreams im Web, denn offensichtlich ist man mit der Organisation mit Simultan-Casts überfordert – schön beispielsweise diese Durchsage: „Die Al Gore-Veranstaltung wird hier nicht als SimuCast übertragen, hier findet „The Future of Porn“ statt. Al Gore wird via Web gestreamt.“ Ok, höre ich eben nicht Al Gore über die Zukunft plaudern – da es hier auch keinen Netzempfang gibt -, sondern beschäftige mich lieber mit Porno.

Die Veranstalter empfehlen ohnehin, die eigene Comfortzone zu verlassen und sich auch mal auf neue Themen einzulassen. Stöhn…

PS: „The Future of Porn“ war dank der beeindruckenden Persönlichkeit von Cindy Gallop (hier ein Beitrag der TAZ über ihr Unternehmen makelovenotporn.tv  ) noch ganz unterhaltsam.

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