Schweigen

Weil Reflexion im Daily Business zu kurz kommt. Irgendwann hatte ich keine Zeit mehr zum Schreiben. Das war im Laufe des Jahres 2012, als ich wieder als Verlagsleiterin Vollzeit arbeitete. Erst bei Konradin im malerischen, mit Kohlfeldern dekorierten Leinfelden-Echterdingen, später bei galledia ag in der Schweiz.

Rein landschaftlich betrachtet, liegt galledia wirklich wunderbar. Flawil ist ein herziges Städtchen am Rande der Alpen mit Blick auf den Säntis, wenn man sich auf einen Hügel stellt.

Historisch gesehen waren sowohl Konradin als auch die Mutterhäuser der galledia tief im Herzen Druckereien, und die Funktion der Zeitschriften bestand im Wesentlichen darin, die Druckmaschinen zu füttern.

Inzwischen hat man realisiert, dass sich die Fachzeitschriften doch ganz tapfer im Markt halten, während das Druckgeschäft wegen Globalisierung und Digitalisierung unter Auszehrung leidet. Digitalisierung betrifft selbstverständlich auch Fachzeitschriften, ganz klar. Und jetzt (denn doch) ist natürlich eine Vision von einem crossmedial aufgestellten Fachverlag gefragt. Lange Pause und Themenwechsel.

Gut, ich war also damit in den letzten drei Jahren beschäftigt. Viele Menschen getroffen, neue Märkte erkundet und eine Menge erlebt. Habe ich substanziell Neues gelernt? Leider nein.

Als Führungskraft kann man nicht die Unbeteiligte spielen

Ich habe mich verausgabt, Daily Business absolviert, Strategien entwickelt, Entscheidungen gefällt, so viel kommuniziert, dass ich abends mitunter heiser war (meine besten Freunde wissen, dass man mir keinen Gefallen tut, wenn man mit mir telefonieren will). Am Wochenende habe ich in der Regel erstmal 24 Stunden zur Basisregeneration (=Schlafen + Kochen) benötigt und montags gegen 7.30 Uhr war der Aktivitätspegel wieder top.

Ich habe initiiert, agiert und reagiert. Im Team haben wir anspruchsvolle Projekte realisiert und eine Menge Tasks auf dem Weg zu einem digitalen Medienhaus abgetragen. Das hat Freude gemacht. Zeit zum Reflektieren und Notieren blieb jedoch nicht mehr.

Es fehlt die Distanz, wenn man mitten im Geschehen steckt. Man kann nicht die Unbeteiligte spielen, wenn die Veränderungsthemen im Job von der Führung ein Höchstmass an Engagement, Aufmerksamkeit und innere Klarheit erfordern. Dann bin ich beteiligt, und dann kann ich nicht gleichzeitig öffentlich über Themen des Wandels schreiben. Eine Art Tagebuch wäre indiskret gewesen. Diskretion hat mit Loyalität dem Unternehmen und den Kollegen gegenüber zu tun. Sie ist Teil meiner Professionalität und ich werde sie wahren.

Ich werde in den nächsten Wochen ein paar Rückblenden aus den letzten Jahren bringen – Momentaufnahmen und Geschichten, die illustrieren sollen, warum Wandel stecken bleiben kann und wie es mitunter wider aller ausbremsenden Bemühungen doch funktionieren kann.

Beruhigender Ausblick: Den Humor habe ich mir erhalten.

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