Best-of seltsam

Systemische Sackgasse statt dynamischer Zukunftsausrichtung? Eine Liste tatsächlich erlebter Begebenheiten, die überall passieren und für sich selbst sprechen. Begebenheiten, über die man nicht in aller Konsequenz vertieft nachdenken will – so irritierend daneben sind sie. Und während man sich als Führungskraft noch mit dem Grad einer möglichen persönlichen Kränkung beschäftigt, besteht das eigentliche Problem darin, dass die Mitarbeiter die Situation schon längst seziert und interpretiert haben.

Neuer Chef, der mich nicht kennenlernen will

Ich hatte meinen ersten Arbeitstag in einem neuen Job. Dieser begann mit einem Kader-Meeting. Schöne, unverkrampfte Einstimmung, dachte ich noch etwas skeptisch, aber dann kam’s noch dicker. In dieser Sitzung wurde mir eröffnet, dass ich einen neuen Chef habe. Der Inhaber des Verlages, welcher mich eingestellt hatte, wolle sich aus dem Operativen zurückziehen. Ok, das hatte ich schon mal so ähnlich erlebt. Nur diesmal machte der neue Chef und Geschäftsführer nicht die geringsten Anstalten, mich – Mitglied der Geschäftsleitung – kennenzulernen. Mehrere Wochen nach meinem Start habe ich ihm einen Terminvorschlag unterbreitet. Auch jetzt keine Fragen, nur oberflächlicher Austausch, kein tieferes Interesse. Ich lebte sogar noch nach absolvierter Probezeit mit dem Gefühl, unerwünscht zu sein. Ebenso durchmischt war die Haltung meiner Mitarbeiter und Kollegen.

Revierverhalten

Die Geschäftsleitung bestand aus mehreren Personen, darunter mit mir zwei Frauen. Drei der Herren beanspruchten die Geschäftsleitungsparkplätze für sich. Gewohnheitsrecht. Ich nahm durchaus die Situation wahr, hatte aber beschlossen, einfach mal abzuwarten. Es passierte gar nichts. Bis zu dem Tag, als ein weiterer Mann anstelle der Kollegin in die Geschäftsleitung wechselte. Ein paar Wochen später waren die Geschäftsleitungsparkplätze aufgestockt. Es hatte alles in allem nur 12 Monate gedauert. Territorialverhalten SOLL ja registriert werden.

Mobiles

Ich hatte zum Jobantritt ein kleines Notebook bestellt – denn ich weiß genau, welche IT-Ausstattung ich benötige. Ich bekam ohne Rücksprache ein Großes mit der Begründung, man könne auf dem Screen mehr erkennen. Da ich viel unterwegs war, hatte ich nach wenigen Monaten einen Tennisarm. Ich habe dann mein eigenes Tablet, welches ohnehin viel leistungsfähiger war, verwendet.

An einem anderen Ort bestellte ich ergänzend zum Notebook einen stationären Bildschirm. Antwort: Die Geschäftsleitung hätte mal beschlossen, dass Notebook-Anwender keine großen Bildschirme erhielten. Schließlich seien sie ja mobil unterwegs. Ich bestellte trotzdem einen.

Bevormundung oder Augenhöhe? Was zahlt wohl eher aufs Motivationskonto ein?

Transparenz eigenwillig interpretiert

Erster Arbeitstag. Die Liste mit den Passwörtern für die Systemanmeldung, Email und diverse Anwendungen liegt gut sichtbar auf dem Schreibtisch. Sie wurde mir aber schon ein paar Tage zuvor von meinem Vorgesetzten per Email geschickt. Selbst ändern konnte ich diese nicht. Digitale Steinzeit.

Tratschen auf C-Level

Wenn die individuellen Personalthemen in der Geschäftsleitungssitzung regelmäßig mindestens 1/3 der Sitzungszeit verbrauchen, hat das Unternehmen keine echten Herausforderungen außer sich selbst… oder?

Dickschiffe

Im Gesamtpaket des neuen Jobs war ein Firmenwagen enthalten. Diesen bekam ich ohne weitere Rücksprache zum Thema freundlicherweise schon am ersten Arbeitstag ausgehändigt. Mit bereits gefahrenen 120.000 km auf dem Tacho und den verbliebenen CDs des vorgängigen Fahrers, der im Verkauf tätig war. Mit herb männlichem Walnussfurnier an den Armaturen. Wagentyp deutlich kleiner als die Fahrzeuge meiner Geschäftsleitungskollegen. Eigentlich mache ich mir nichts aus Autos, schon gar nicht aus Autos mit Walnussfurnier. Aber Deine Mitarbeiter und Kollegen tun es. Das war ein Problem.

Reputationsmanagement für Fortgeschrittene

Mich ereilte auf einem Medienevent eine Gratulation zum neuen Job. Diese war zwar in der Sache richtig, doch wurde das begleitet mit den Worten: „Ich habe Dich wärmstens empfohlen.“ In der Schweiz werden Referenzen bei Job- und Wohnungswechsel eingeholt. Allerdings nicht ohne Wissen und Genehmigung des Betroffenen. Dieser Umgang mit Kandidaten war im Unternehmen Usus und wurde nur übertroffen davon, dass ebenso Auskünfte über Mitarbeiter eingeholt wurden – von anderen Mitarbeitern. Dazu mehr in einer Fortsetzung,…

 

…in der ich nicht erzählen werde, wie mir mal ein Vorgesetzter in einem Mitarbeiter-Gespräch eine Affäre anbot.

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