„Jetzt kenne ich jeden Mikroprozess“

schreiber_neuStefan C. Schreiber, CEO und Verleger von Prime Public Media AG in Zürich, spricht im Interview über seine Erfahrungen bei der digitalen Transformation eines traditionellen Fachverlages seit Verlagsübernahme 2012

Hattest Du bereits bei der Akquisition des Portfolios eine Vision und eine Roadmap?

Im Prinzip war der Weg von Anfang an klar: Medien und Angebote sollten möglichst integriert und weiter digitalisiert werden. Den Kurs haben wir inhaltlich und zeitlich gehalten, wobei wir den Wert der Elearning-Angebote, also der CMEs*, für die Leadgenerierung anfangs völlig unterschätzt haben.

Was waren Deine wichtigsten Learnings und größten Herausforderungen?

Die Digitalisierung forderte uns sehr. So hatten wir zu Beginn die Integration der Kundendaten mit der Online-Plattform nicht umgesetzt, weil wir das Geschäftsmodell nicht konsequent reflektiert hatten. Wir mussten dann nochmals von vorne beginnen. Mit dem technischen Team haben wir eine Inventur unserer bestehenden Prozesse betrieben und zukünftige Prozesse bis ins kleinste Detail designed.

Auf welche Deiner oder der Team-Fähigkeiten kam es in der Vergangenheit ganz besonders an?

Wir mussten alle viel Selbstdisziplin aufbringen, unsere Prozesse neu zu strukturieren. Das war eine ganz schöne Quälerei, aber es war klar, dass wir ohne Prozesskompetenz keine integrierten Produkte oder Leads verkaufen können. Beim Thema Prozesse kann mir heute keiner etwas vormachen. Seit der Arbeit mit den Programmierern kenne ich jeden Mikroprozess. Beim Prozessdesign war ich als Vorbild gefordert.

Wie gehst Du bei technischen Anforderungen vor – nach welchen Maßgaben entscheidest Du über Investitionen? Wie priorisierst Du?

Wir lassen uns bei der Priorisierung einzelner Entwicklungen von den externen Technikern beraten, wobei letztlich immer das Kundenbedürfnis entscheidend ist. Unsere Planungszyklen erstrecken sich maximal über 3 Monate.

Wo steht PPM im Transformationsprozess?

Wir sind heute eigentlich kein Verlag mehr, sondern arbeiten in einer Ökonomie; wir bewirtschaften Zielgruppen.

Wie hat sich das Unternehmen wirtschaftlich entwickelt?

Durch die Rückführung des Anzeigenverkaufs ins Unternehmen konnten wir die Anzeigenumsätze – in einem grundsätzlich schrumpfenden Markt(!) – um 13% steigern. Wir haben neue Publikationen auf den Markt gebracht, um neue Nischenzielgruppen anzusprechen und vorhandene Kapazitäten optimal zu nutzen. Das meiste Wachstum bescherten uns neue, digitale Verlagsprodukte für Werbekunden. Damit erzielen wir Umsatzzuwächse, welche heute – nur 24 Monate nach Lancierung – bei 16% des Gesamtumsatzes liegen. Mit diesen zusätzlichen Umsätzen konnten wir durchschnittlich fast 10% pro Jahr Wachstum seit Unternehmensübernahme verzeichnen und realisieren heute – unterstützt durch ein gewissenhaftes Kostenmanagement – doppelstellige Umsatzrenditen.

Wie definierst Du die wichtigsten strategischen Ziele für PPM?

Um ein nachhaltiges Wachstum zu erzeugen, müssten wir angesichts hoher Investitionsanforderungen an technische Lösungen von Skaleneffekten profitieren können. Dies ist in einem eng begrenzten Markt nur möglich, wenn wir das Portfolio ausbauen – außerhalb unserer klassischen Zielgruppen (z. B. Spitäler, Medizintechnik oder Luxury Goods) – oder indem wir unseren Markt im Ausland erweitern. Für letzteren Ansatz gibt es aber noch keine konkreten Pläne.  Darüber hinaus arbeiten wir daran, Margen durch weitere Prozessoptimierungen und best practice zu erhöhen sowie die Angebotspalette für die Ärzteschaft weiter auszubauen.

Geschäftsmodell und Herausforderungen der digitalen Transformation bei Prime Public Media AG wurden in diesem Artikel ausführlich dargestellt.

Der komplette Artikel kann als PDF hier heruntergeladen werden.

Über den Stellenwert digitalisierter Prozesse und Führung in der digitalen Transformation habe ich mich noch ein wenig in diesem Artikel  ausgelassen.

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